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Materialtrends in der digitalen Zahnmedizin für 2026

|Materialien

Die digitale Zahnmedizin befindet sich derzeit in einer Phase außergewöhnlicher Dynamik. Neue Materialien verändern nicht nur die Art und Weise, wie Kronen, Brücken und provisorische Versorgungen hergestellt werden - sie definieren auch die Möglichkeiten von Ästhetik, Funktion und Effizienz in Zahnarztpraxen, Laboren und Fräszentren neu. Das Jahr 2026 entwickelt sich zu einem Meilenstein, da mehrere Materialinnovationen gleichzeitig die Marktreife erreichen und den gesamten digitalen CAD/CAM-Workflow beeinflussen.

Die jüngsten Fortschritte bei Zirkoniumdioxid, Hybridkeramik, faserverstärkten Polymeren und bioaktiven Materialien eröffnen neue Möglichkeiten für hochästhetische und personalisierte Restaurationen. Moderne Zirkoniumdioxid-Materialien zum Beispiel erreichen heute Transluzenzwerte, die vor einigen Jahren nur mit Glaskeramik möglich waren - bei gleichzeitig hoher mechanischer Festigkeit (Zhang & Lawn, 2018). Gleichzeitig entwickeln sich Hybridkeramiken und Verbundwerkstoffe zu echten Allround-Materialien für Chairside-Anwendungen, da sie schnell gefräst werden können und keinen Sinterprozess benötigen (Miyazaki et al., 2013).

Auch die Polymere erfahren eine deutliche Aufwertung. Faserverstärkte Verbundwerkstoffe erreichen inzwischen ein Stabilitätsniveau, das sie für Langzeitprovisorien und implantatnahe Anwendungen geeignet macht (Skorulska et al., 2021). Parallel dazu gewinnen bioaktive Materialien an Aufmerksamkeit - Materialien, die die Gewebeintegration aktiv unterstützen oder antibakterielle Eigenschaften aufweisen (Hench, 2015).

Diese Entwicklungen sind nicht isoliert zu betrachten. Sie gehen einher mit leistungsfähigeren Frässystemen, immer präziseren CAM-Strategien und einem Markt, in dem Geschwindigkeit, Ästhetik und Prozesssicherheit gleichermaßen entscheidend sind.
Für Zahnarztpraxen bedeutet dies schnellere Arbeitsabläufe und verbesserte Restaurationen am selben Tag.
Für Dentallabore bedeutet es größere Materialflexibilität und höhere Präzision.
Für Fräszentren eröffnet es neue Möglichkeiten der Skalierbarkeit.

Dieser Artikel hebt die wichtigsten Materialtrends für 2026 hervor und erklärt, warum sie die digitale Dentalfertigung grundlegend umgestalten werden.

1. Technologischer Hintergrund

In den letzten zehn Jahren hat sich die Materiallandschaft in der digitalen Zahnmedizin grundlegend verändert. Wo früher metallbasierte Lösungen und konventionelle Keramiken dominierten, bestimmen heute Hochleistungszirkonoxid, Hybridkeramiken und moderne Polymere den CAD/CAM-Markt. Das technologische Fundament dieser Entwicklung ruht auf drei Säulen: Materialwissenschaft, CAD/CAM-Fertigungstechnologie und vollständig digitalisierte Prozessketten.

1.1 Überblick über die modernen CAD/CAM-Materialklassen

Zirkoniumdioxid - die treibende Kraft der festsitzenden Prothetik

Zirkoniumdioxid ist seit Jahren das Kernmaterial der digitalen Prothetik. Die neueste Generation bietet eine deutlich verbesserte Transluzenz ohne Beeinträchtigung der mechanischen Festigkeit - ein Durchbruch, der durch optimierte Mikrostrukturen und angepasste Yttriumoxid-Stabilisierung ermöglicht wird (Zhang & Lawn, 2018).

Mehrschichtige Zirkoniumdioxid-Materialien sind inzwischen gut etabliert. Sie kombinieren dentinähnliche Festigkeitszonen mit transluzenteren Schmelzbereichen und ermöglichen ästhetische Restaurationen mit hoher Belastbarkeit.

Hybridkeramiken und Kompositmaterialien - vielseitig und Chairside-Ready

Hybridkeramiken bestehen aus einer organischen Polymermatrix, die mit keramischen Füllstoffen verstärkt ist. Sie kombinieren die Schlagfestigkeit von Kompositen mit der Oberflächenqualität von Keramik, was zu hervorragenden Fräseigenschaften und geringerem Werkzeugverschleiß führt (Miyazaki et al., 2013).

In der Chairside-Zahnmedizin gelten sie als Schlüsselmaterialien, da sie nicht gesintert werden müssen und sich auf natürliche Weise in das Farbspektrum der Zähne integrieren.

Moderne Polymere - vom temporären zum Langzeitmaterial

CAD/CAM-Polymere wie PMMA galten lange Zeit als rein provisorische Materialien. Dank neuer Fertigungstechniken erreichen polymerbasierte Werkstoffe heute ein Maß an Festigkeit und Homogenität, das sie für semipermanente oder implantatgetragene Anwendungen geeignet macht.

Faserverstärkte Verbundwerkstoffe (FRC) - unter Verwendung von Glas- oder Polymerfasern - bieten zusätzliche Festigkeit und Beständigkeit gegen Ermüdungsbelastungen (Skorulska et al., 2021).

Bioaktive Materialien - ein Blick in die Zukunft

Bioaktive Gläser und Keramiken mit ionenfreisetzenden oder regenerativen Eigenschaften erweitern das traditionelle Funktionskonzept von Zahnrestaurationen. Diese Materialien können die Remineralisierung fördern oder antimikrobielle Wirkungen entfalten (Hench, 2015).

Obwohl sie noch ein Nischensegment darstellen, wird ihr Potenzial in Forschung und Industrie zunehmend diskutiert.


1.2 Fortschritte in der CAD/CAM-Fertigungstechnologie

Materialinnovationen sind nur dann effektiv, wenn die Fertigungstechnologien Schritt halten. Zu den jüngsten Entwicklungen gehören:

  • leistungsfähigere Spindeln und Fräswerkzeuge, die hohe Präzision bei reduzierten Schnittkräften ermöglichen
  • optimierte CAM-Strategien, die Mikrobrüche verhindern und Materialspannungen reduzieren
  • verbesserte Spannsysteme, die empfindliche Strukturen stabilisieren
  • auf Materialklasse und Indikation abgestimmte Nass- und Trockenfräsverfahren

Fünf-Achs-Frässysteme ermöglichen komplexe Geometrien, präzise Passungen und ein erweitertes Indikationsspektrum. Insbesondere bei Zirkonoxid und faserverstärkten Polymeren sind optimierte Vorschubgeschwindigkeiten und Werkzeugstrategien notwendig, um die Materialeigenschaften voll auszunutzen.


1.3 Wechselwirkung zwischen Material und digitalem Workflow

Moderne Werkstoffe entfalten ihr volles Potenzial erst dann, wenn sie in einen abgestimmten digitalen Workflow eingebunden sind:

  1. Scanning-Phase: Präzise Datenerfassung für exakte Restaurationen
  2. Konstruktionsphase: Materialspezifisches Design mit softwaredefinierten Mindeststärken
  3. Herstellung: Fräsparameter, Werkzeuge und Maschinentechnik müssen auf das Material abgestimmt sein
  4. Nachbearbeitung: Sintern, Polieren, Härten oder Oberflächenveredelung bestimmen die Endqualität

Dieser systemische Ansatz ist unerlässlich, um die Werkstofftrends des Jahres 2026 voll ausschöpfen zu können (Mörmann et al., 2016).

2. Praktische Anwendung / Use Cases

Materialtrends zeigen ihren wahren Wert erst in der täglichen Praxis. Zahnarztpraxen, Labore und Fräszentren haben jeweils unterschiedliche Anforderungen an Festigkeit, Ästhetik, Durchlaufzeit und Verarbeitbarkeit. Moderne Werkstoffe stellen daher nicht nur technische Innovationen dar, sondern auch praktische Lösungen, die Arbeitsabläufe vereinfachen und Ergebnisse verbessern.

2.1 Anwendungen in der Zahnarztpraxis (Chairside)

Single-Visit-Restaurationen ohne Sintern

Hybridkeramiken und moderne Kompositkeramiken können sofort gefräst und eingesetzt werden, was den Patientenkomfort verbessert und Zeit spart (Miyazaki et al., 2013).

Typische Indikationen:

  • Inlays und Onlays
  • Veneers
  • Einzelkronen im Seitenzahn- und Frontzahnbereich

Hochästhetische Frontzahnrestaurationen

Transluzenzoptimiertes mehrschichtiges Zirkonoxid wird zunehmend chairside eingesetzt und ermöglicht aufgrund seiner natürlichen Lichttransmission hervorragende ästhetische Ergebnisse (Zhang & Lawn, 2018).

Minimale Nachbearbeitung

Neue Polymer- und Hybridmaterialien erzeugen direkt nach dem Fräsen glatte Oberflächen, was die Polierzeit deutlich reduziert.


2.2 Anwendungen im Dentallabor

Mehrgliedrige Brücken und komplexe Gerüste

Hochfestes Zirkoniumdioxid ermöglicht dauerhafte Brückenkonstruktionen mit natürlicher Ästhetik. Mehrschichtiges Zirkoniumdioxid reduziert den Bedarf an manueller Charakterisierung.

Implantatgetragene Versorgungen

Faserverstärkte Polymere und Hochleistungspolymere wie PEEK bieten Elastizität und Biokompatibilität, was sie für Suprakonstruktionen attraktiv macht (Skorulska et al., 2021).

Langfristige Provisorien

PMMA-Materialien der nächsten Generation weisen eine hohe Homogenität auf und eignen sich gut für dauerhafte provisorische Versorgungen (Stawarczyk et al., 2013).

Erhöhte Effizienz

Geringerer Werkzeugverschleiß und fräsfreundliche Composites verkürzen die Produktionszeiten und verbessern die Laborkapazität.


2.3 Anwendungen in Fräszentren

Serienfertigung mit stabilen Zirkonoxid-Rohlingen

Optimiertes vorgesintertes Zirkoniumdioxid sorgt für eine gleichbleibende Qualität bei großen Produktionschargen.

Industrielle Verarbeitung von Titan und Hochleistungskunststoffen

Moderne CAD/CAM-Systeme ermöglichen die präzise Herstellung von individuellen Abutments, Implantatkomponenten und großen Gerüsten.

Hybride Fertigungsketten

Die Kombination von 3D-Druck (Gerüste, Preforms) mit subtraktiver Nachbearbeitung gewinnt an Bedeutung. Moderne Materialien müssen mit beiden Verfahren kompatibel sein (Hench, 2015).


2.4 Material- und Maschinenkompatibilität als Schlüsselfaktor

Neue Materialien entfalten nur dann ihr volles Potenzial, wenn Maschinen, Werkzeuge und CAM-Strategien perfekt aufeinander abgestimmt sind, einschließlich

  • Vorschub- und Geschwindigkeitsparameter
  • Werkzeuggeometrien
  • Spannsysteme
  • Sinter- und Kühlprotokolle
  • Oberflächenbearbeitung

Die CAM-Optimierung ist besonders wichtig für Zirkoniumdioxid, Hybridkeramik und faserverstärkte Polymere, um Mikrobrüche, Delamination und innere Spannungen zu vermeiden.

3. Vorteile für Zielgruppen

Die Materialtrends im Jahr 2026 führen nicht nur neue Substanzen ein, sondern verändern auch grundlegend den Nutzen, den Praxen, Labore und Fräszentren aus der digitalen Fertigung ziehen.

3.1 Vorteile für Zahnärzte (Chairside)

  • Restaurationen in einem Arbeitsgang ohne Sintern
  • Verbesserte Ästhetik durch natürliche Transluzenz
  • Geringere Nachbearbeitungszeit
  • Höhere Patientenzufriedenheit als Wettbewerbsvorteil


3.2 Vorteile für Dentallabore

  • Erweitertes Indikationsspektrum
  • Reproduzierbare Qualität und präzise Passungen
  • Gesteigerte Fertigungseffizienz
  • Größere ästhetische und gestalterische Flexibilität


3.3 Vorteile für Fräszentren

  • Stabile Qualität in der Großserienfertigung
  • Breiteres Materialportfolio
  • Hybride Produktionsmodelle
  • Höhere Automatisierung und geringere Ausschussraten

4. Herausforderungen/Grenzen

So vielversprechend die Materialentwicklungen des Jahres 2026 auch sind, sie kommen nicht ohne Herausforderungen daher. Neue Werkstoffe bedeuten neue technische Anforderungen, höhere Komplexität in der Verarbeitung und veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Gerade weil die modernen Werkstoffe immer leistungsfähiger werden, steigen die Erwartungen an die Prozesssicherheit und das Know-how in Praxis, Labor und Fräszentrum.

4.1 Wirtschaftliche Faktoren und Materialkosten

Hochentwickelte Zirkonoxide, Hybridkeramiken und faserverstärkte Polymere sind in der Herstellung komplexer und daher oft teurer als herkömmliche Materialien.
Dies wirkt sich aus:
- Anschaffungskosten für Materialblöcke und Rohlinge
- Höhere Qualitätsstandards in der Produktion
- Teilweise spezielle Lager- oder Transportanforderungen
Für kleinere Praxen und Labore kann der Preisunterschied erheblich sein - insbesondere wenn neue Maschinen oder Sinteranlagen benötigt werden.


4.2 Technische Anforderungen und CAM-Komplexität

Moderne Werkstoffe erfordern genau abgestimmte Frässtrategien, um ihr volles Potenzial auszuschöpfen.
Dazu gehören:
- Geeignete Werkzeuggeometrien
- Optimale Schnittparameter
- Materialabhängige Vorschub- und Drehzahlstrategien
- Definierte Kühl- oder Trocknungsprozesse

4.3 Anforderungen an Ausbildung und Qualifikation

Neue Werkstoffe bedeuten auch neue Bearbeitungsregeln.
Besonders relevant sind:
- Materialgerechte Mindeststärken
- Konstruktionsregeln für implantatgetragene Versorgungen
- Polier- und Oberflächenprotokolle
- Sinter- und Vergütungsprogramme
- Geeignete Geschiebesysteme
Die Lernkurve betrifft sowohl das klinische Personal als auch den Zahntechniker. Mangelnde Ausbildung führt häufig zu Frakturen, Passungsproblemen oder ästhetischen Beeinträchtigungen.

4.4 Einschränkungen durch Nachbearbeitungs- und Sinterprozesse

Auch wenn viele Materialien jetzt "chairside-ready" sind, gibt es noch einige Einschränkungen:
- Zirkoniumdioxid: Die Sinterzeiten - auch wenn sie verkürzt wurden - bestimmen nach wie vor die Bearbeitungszeit.
- Hybridkeramiken: Erfordern eine präzise Politur, um eine langfristige Abrasionsstabilität zu gewährleisten.
- Polymere: Reagieren empfindlich auf Temperatur und Oberflächenbeschaffenheit.
- Faserverstärkte Materialien: Erfordern spezielle Nachbearbeitungsprotokolle, um eine Freilegung der Fasern zu vermeiden.
Das Zusammenspiel von Material, Schleifprozess und Nachbearbeitung bestimmt letztlich die Qualität der endgültigen Restauration.

4.5 Regulatorische Anforderungen und Dokumentationspflichten

Die aktuelle europäische Medizinprodukteverordnung (MDR) erhöht die Anforderungen für:
- Materialnachweis
- Chargenrückverfolgbarkeit
- Validierungen für Material- und Maschinenkombinationen
- Qualitätskontrolle und Dokumentation

5. Markt- und Zukunftsperspektiven

Die zahnärztliche Materialentwicklung befindet sich in einem Innovationszyklus, der durch eine rasante Forschungsdynamik, steigende ästhetische Ansprüche und die fortschreitende Digitalisierung gekennzeichnet ist. Die kommenden Jahre werden davon bestimmt sein, wie gut sich neue Materialien in digitale Produktionsprozesse integrieren lassen - und wie Praxen, Labore und Fertigungszentren dieses Potenzial strategisch nutzen.

6. Schlussfolgerung und Empfehlungen

Die Materialtrends für 2026 zeigen deutlich, dass die digitale Zahnmedizin in eine Phase eintritt, in der Materialien und Fertigungstechnologie enger miteinander verbunden sind als je zuvor.

Wichtige Erkenntnisse:

  • Zirkoniumdioxid bleibt das führende Material, wird aber ästhetischer und vielseitiger
  • Hybridkeramik stärkt die Chairside-Zahnheilkunde
  • Faserverstärkte Polymere gewinnen an Bedeutung
  • Bioaktive Materialien markieren den Beginn einer neuen Restaurationsgeneration
  • Prozesssicherheit wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor