Die Chairside-Zahnmedizin bezeichnet die digitale Planung und Herstellung von Zahnersatz direkt in der Zahnarztpraxis. Ein typischer Arbeitsablauf umfasst einen Intraoralscanner, CAD/CAM-Software und eine kompakte Fräsmaschine.
Nach der Zahnpräparation wird die klinische Situation digital erfasst. Die Restauration wird anschließend mithilfe von CAD-Software entworfen und aus einem geeigneten Materialblock gefertigt. Je nach Material folgen vor dem Einsetzen der Restauration Nachbearbeitungsschritte wie Polieren, Kristallisieren oder Sintern.
Der Hauptunterschied zum herkömmlichen Laborablauf liegt daher nicht unbedingt in der Restauration selbst, sondern darin, wo und wie schnell sie hergestellt wird.
Bei einem traditionellen Arbeitsablauf sendet der Zahnarzt einen Abdruck oder einen digitalen Scan an ein Dentallabor. Das Labor entwirft und fertigt die Restauration, bevor sie für einen zweiten Patiententermin an die Praxis zurückgeschickt wird. Chairside-CAD/CAM verlagert diese Schritte in die Praxis und kann den gesamten Prozess auf einen einzigen Besuch verkürzen.
Das bedeutet nicht, dass die Chairside-Fertigung das Dentallabor ersetzt. Komplexe Restaurationen, umfangreiche Implantatfälle und hochgradig individualisierte Prothetik profitieren weiterhin vom Fachwissen des Labors. Vielmehr bietet die Chairside-Zahnmedizin einen zusätzlichen Arbeitsablauf für geeignete Indikationen.
CAD/CAM in Chairside eignet sich besonders für kleinere Restaurationen, die innerhalb eines Termins effizient entworfen, gefräst und fertiggestellt werden können.
Zu den gängigen Indikationen zählen Einzelkronen, Inlays, Onlays, Veneers und provisorische Restaurationen. Je nach Frässystem und validiertem Arbeitsablauf können je nach klinischen Anforderungen unterschiedliche Materialien ausgewählt werden.
Lithiumdisilikat wird häufig für ästhetische Restaurationen wie Kronen, Veneers, Inlays und Onlays verwendet. Zirkonoxid bietet eine höhere mechanische Festigkeit und kann für Restaurationen mit höheren funktionellen Anforderungen eingesetzt werden, sofern ein geeigneter Schnellsintern-Workflow zur Verfügung steht. Komposit- und Hybridmaterialien ermöglichen eine besonders effiziente Verarbeitung, da einige Materialien direkt nach dem Fräsen poliert und eingesetzt werden können. PMMA wird häufig für provisorische Restaurationen verwendet.
Die geeignete Kombination aus Indikation, Material und Nachbearbeitungsmethode entscheidet letztendlich darüber, ob eine Restauration realistisch im Rahmen eines „Same-Day“-Workflows fertiggestellt werden kann.
Ein digitaler Chairside-Workflow verbindet vier Hauptphasen:
Scannen → Design → Fräsen → Einsetzen
Nach der Präparation erfasst der Zahnarzt zunächst die klinische Situation mit einem Intraoralscanner. Der präparierte Zahn, die Nachbarzähne, der Antagonist und der Biss werden digital erfasst. Je nach Fall und Scansystem dauert dies in der Regel etwa 5–10 Minuten.
Die Scandaten werden anschließend in die CAD-Umgebung übertragen. Mit icam lässt sich die Restauration digital entwerfen, einschließlich Ränder, Proximalkontakte und Okklusion. Eine einfache Einzelzahnrestauration kann in der Regel innerhalb von etwa 10–15 Minuten für die Fertigung vorbereitet werden, je nach Fall und Erfahrung des Anwenders.
Sobald das Design freigegeben wurde, werden die Fertigungsdaten an den coritec ONE übertragen. Die Restauration wird aus dem ausgewählten Materialblock gefräst oder geschliffen. Die Bearbeitungszeit hängt von der Indikation, dem Material und der gewählten Bearbeitungsstrategie ab, doch bei geeigneten Einzelrestaurationen kann die Fertigungsphase oft innerhalb von etwa 10–30 Minuten abgeschlossen werden.
Der letzte Schritt hängt stark vom Material ab. Manche Restaurationen erfordern lediglich eine Endbearbeitung und Politur, während Keramiken unter Umständen eine Kristallisation, ein Sintern, eine Färbung oder eine Glasur benötigen. Nachdem die endgültige Passung sowie die Kontakte und die Okklusion überprüft wurden, kann die Restauration eingesetzt werden.
Bei geeigneten Indikationen ermöglicht der gesamte Prozess daher eine Behandlung am selben Tag in nur einer Sitzung.
Der CORiTEC one wurde speziell für die digitale Chairside-Fertigung entwickelt. Dank seiner kompakten Bauweise lässt sich das Frässystem nahtlos in Zahnarztpraxen integrieren und bietet gleichzeitig die erforderliche Flexibilität für ein breites Spektrum an restaurativen Indikationen.
Als 5-Achsen-CAD/CAM-System kann das CORiTEC one verschiedene Blockmaterialien und Geometrien bearbeiten. Je nach validiertem Arbeitsablauf reichen die Anwendungsbereiche von Kronen, Inlays und Onlays bis hin zu Veneers und anderen Einzelzahnrestaurationen.
Dank der Möglichkeiten zur Nass- und Trockenbearbeitung lassen sich verschiedene Materialklassen in den Chairside-Workflow integrieren. Dazu gehören Zirkonoxid, Glaskeramiken wie Lithiumdisilikat, Kompositmaterialien und PMMA.
Der Hauptvorteil liegt nicht nur in der Fräsmaschine selbst, sondern in ihrer Integration in einen lückenlosen digitalen Prozess. Durch die Kombination aus digitalem Scannen, iCAM und dem CORiTEC ONE können Praxen einen praxiseigenen Arbeitsablauf etablieren, in dem die einzelnen Produktionsschritte eng miteinander verknüpft sind.
Dadurch lassen sich externe Fertigungs- und Transportschritte reduzieren, während die Praxis gleichzeitig mehr Kontrolle über den Behandlungszeitplan erhält.
Die Fertigung am Behandlungsstuhl und die Laborfertigung erfüllen unterschiedliche Anforderungen. Die richtige Wahl hängt daher von der Indikation ab und nicht davon, dass ein Arbeitsablauf dem anderen generell überlegen ist.
Faktor | Chairside-Arbeitsablauf | Labor-Workflow |
|---|---|---|
| Typische Restaurationen | Kronen, Inlays, Onlays, Veneers, Provisorien | Von Einzelzahnrestaurationen bis hin zu komplexen Brücken, Implantaten und Vollbogenfällen |
| Bearbeitungszeit | Möglicherweise noch am selben Tag | In der Regel mehrere Tage |
| Patiententermine | Oft nur einer | In der Regel zwei oder mehr |
| Kostenstruktur | Höhere Anfangsinvestition, Eigenfertigung | Externe Laborkosten pro Fall |
| Individuelle Anpassung | Gut geeignet für entsprechende Einzelrestaurationen | Hervorragend, insbesondere bei komplexen ästhetischen Fällen |
| Flexibilität in der Herstellung | Ausgerichtet auf Chairside-Indikationen | Sehr breit |
Für eine Praxis mit einer hohen Anzahl an Einzelrestaurationen kann die Chairside-Fertigung erhebliche Vorteile für den Arbeitsablauf bieten. Fälle, die eine umfangreiche Individualisierung, eine komplexe Implantatplanung oder aufwendige Laborverfahren erfordern, lassen sich jedoch möglicherweise immer noch effizienter im Dentallabor fertigen.
In vielen Fällen ist daher eine Kombination beider Arbeitsabläufe der effektivste Ansatz: Standardisierte Restaurationen werden am Behandlungsstuhl gefertigt, während komplexere Fälle weiterhin im Dentallabor bearbeitet werden.
ROI: Wann lohnt sich das Chairside-Fräsen?
Der wirtschaftliche Nutzen des Chairside-Fräsens hängt in erster Linie vom Fallvolumen ab. Die Anschaffung eines Frässystems ist zwar mit einer Anfangsinvestition verbunden, kann aber gleichzeitig die externen Laborkosten für Restaurationen senken, die im eigenen Haus gefertigt werden.
Ein vereinfachtes Beispiel veranschaulicht das Prinzip.
Angenommen, eine Praxis investiert 50.000 € in eine komplette Chairside-Fertigungsausstattung und kann ihre externen Produktionskosten nach Abzug der eigenen Material- und Fertigungskosten um durchschnittlich 150 € pro geeigneter Restauration senken.
Bei 25 Chairside-Restaurationen pro Monat würde sich die theoretische Ersparnis wie folgt berechnen:
25 Restaurationen × 150 € = 3.750 € pro Monat
Rein auf der Grundlage dieser vereinfachten Annahmen würde sich die Anfangsinvestition von 50.000 € nach etwa folgenden Zeiträumen amortisieren:
50.000 € ÷ 3.750 € = 13,3 Monaten
Diese Berechnung ist bewusst vereinfacht. Der tatsächliche ROI hängt vom Kaufpreis, der Finanzierung, den Materialien, den Werkzeugen, der Wartung, dem Zeitaufwand des Personals, der Auslastung und den zuvor anfallenden Laborkosten ab. Zusätzliche wirtschaftliche Effekte, wie die Reduzierung von Folgeterminen oder die Erhöhung der Behandlungskapazität, können den Business Case ebenfalls beeinflussen.
Der entscheidende Faktor ist daher die Auslastung. Ein Chairside-System, das nur gelegentlich genutzt wird, amortisiert sich deutlich langsamer als eines, das in einen regulären restaurativen Arbeitsablauf integriert ist.
Die Chairside-Zahnmedizin kombiniert digitale Abformungen, CAD-Konstruktion und hauseigene Fertigung, um bei ausgewählten Indikationen Restaurationen noch am selben Tag zu ermöglichen. Kronen, Inlays, Onlays, Veneers und provisorische Restaurationen können in einem einzigen digitalen Workflow vom Scan bis zur fertigen Restauration erstellt werden.
Mit icam und dem coritec ONE können Praxen einen integrierten CAD/CAM-Prozess etablieren, der eine bessere Kontrolle über die Produktion ermöglicht und die Durchlaufzeiten verkürzt. Die Chairside-Fertigung ersetzt das Dentallabor nicht, sondern ergänzt es, indem sie für geeignete Fälle eine effiziente Alternative bietet.
Ob sich die Investition letztendlich lohnt, hängt vom Indikationsmix, dem Fallvolumen und der Workflow-Strategie ab. Für Praxen, die eine konstante Anzahl geeigneter Restaurationen herstellen, kann Chairside-CAD/CAM sowohl klinische als auch wirtschaftliche Vorteile bieten.
FAQ
Wie lange dauert die Herstellung einer Chairside-Krone?
Bei geeigneten Fällen kann eine Chairside-Krone innerhalb eines einzigen Termins gescannt, konstruiert, gefertigt, fertiggestellt und eingesetzt werden. Die Gesamtzeit hängt insbesondere von der Restauration, dem Material und der erforderlichen Nachbearbeitung ab.
Welche Restaurationen können am Behandlungsstuhl hergestellt werden?
Zu den typischen Indikationen zählen Einzelkronen, Inlays, Onlays, Veneers und provisorische Restaurationen. Das genaue Spektrum hängt vom CAD/CAM-System, dem Material und dem validierten Arbeitsablauf ab.
Welche Materialien können mit dem coritec ONE gefräst werden?
Je nach validierter Anwendung kann der coritec ONE Materialien wie Zirkonoxid, Glaskeramik, Komposite und PMMA verarbeiten. Materialspezifische Anforderungen an die Bearbeitung und Nachbearbeitung müssen stets berücksichtigt werden.
Ersetzt die Chairside-Zahnmedizin das Dentallabor?
Nein. Chairside-Arbeitsabläufe sind besonders effizient bei geeigneten Einzelrestaurationen, während Dentallabore für komplexe prothetische, implantologische und hochindividuelle Fälle nach wie vor unverzichtbar sind.
Wann macht sich eine Chairside-Fräsmaschine bezahlt?
Die Amortisation hängt hauptsächlich von der Anzahl der hauseigen hergestellten Restaurationen, den Investitions- und Betriebskosten sowie den einsparbaren Laborkosten ab. Eine höhere und konstante Auslastung führt in der Regel zu einer kürzeren Amortisationszeit.