Eine Aufbissschiene ist eine herausnehmbare zahnmedizinische Schiene, die den Zahnbogen teilweise oder vollständig bedeckt und eine definierte Kontaktfläche zwischen den oberen und unteren Zähnen schafft.
Je nach Ausführung kann eine Schiene die natürlichen Zähne und Zahnersatz vor übermäßigem Verschleiß schützen, die Kaukräfte umverteilen oder die Kontakte zwischen Ober- und Unterkiefer verändern. Stabilisierungsschienen werden auch im Rahmen der Behandlung ausgewählter Kiefergelenkserkrankungen (TMD) eingesetzt.
Die geeignete Gestaltung hängt von der individuellen klinischen Situation ab. Ein Patient mit starkem Bruxismus benötigt beispielsweise möglicherweise eine andere Schiene als jemand, der eine Schiene zur kurzfristigen funktionellen Therapie erhält.
Unabhängig von der Ausführung sind Passform, Materialstabilität und genau definierte okklusale Kontakte von entscheidender Bedeutung. Dadurch eignen sich Schienen besonders gut für die digitale Fertigung, bei der diese Parameter während der CAD-Konstruktion präzise gesteuert werden können, bevor die Schiene mithilfe von Dentalfräsmaschinen und geeigneten CAD/CAM-Materialien hergestellt wird.
In der Zahnmedizin kommen verschiedene Schienenkonzepte zum Einsatz. Sie unterscheiden sich vor allem hinsichtlich ihrer Abdeckung, ihrer Steifigkeit und ihrer beabsichtigten therapeutischen Funktion.
Schienenart | Typische Indikation | Typisches Material | Typische Dicke* |
| Michigan-Schiene | Bruxismus, Stabilisierung, ausgewählte Fälle von Kiefergelenkserkrankungen | Hart-PMMA / CAD/CAM-Polymer | ca. 2–4 mm |
| NTI-Schiene | Ausgewählte Fälle, die einen Kontakt im Frontzahnbereich und eine Disklusion im Seitenzahnbereich erfordern | Starres Polymer | Konstruktionsabhängig |
| Schiene vom Typ Tanner | Okklusale Stabilisierung und funktionelle Therapie | Starres PMMA / Polymer | ca. 2–4 mm |
| Weiche Schiene | Zahnschutz, ausgewählte Fälle von Bruxismus | Flexibles Thermoplast | ca. 2–4 mm |
*Die angegebenen Dickenwerte dienen lediglich als allgemeine Richtwerte. Die endgültigen Abmessungen müssen entsprechend der klinischen Indikation, der Konstruktion der Schiene, des Materials und der Herstellerspezifikationen festgelegt werden.
Die Michigan-Schiene ist eines der bekanntesten Designs. Es handelt sich um eine starre, vollflächige Stabilisierungsschiene, die kontrollierte Kontakte über den gesamten Zahnbogen hinweg gewährleistet. Sie wird häufig zur Behandlung von Bruxismus und ausgewählten muskulären oder temporomandibulären Beschwerden eingesetzt.
Eine Schiene vom NTI-Typ hingegen sorgt vor allem im Frontzahnbereich für Kontakt, anstatt wie eine Stabilisierungsschiene die gesamte Okklusionsfläche abzudecken. Da dies die Verteilung der Okklusionskontakte erheblich verändert, erfordert ihr Einsatz eine sorgfältige Fallauswahl und klinische Überwachung.
Schienen vom Typ Tanner sind ebenfalls starre Stabilisierungsschienen, die auf definierte Okklusionsverhältnisse und funktionelle Führung ausgelegt sind.
Weiche Schienen verwenden flexible Materialien und können bei ausgewählten Indikationen eine komfortable Lösung bieten. Da sich ihr mechanisches Verhalten jedoch erheblich von dem starrer CAD/CAM-Schienen unterscheidet, sollte die Materialauswahl stets dem angestrebten therapeutischen Konzept folgen.
Traditionell werden Aufbissschienen anhand eines Abdrucks und eines Zahnmodells hergestellt. Die Schiene wird manuell entworfen, aus Acrylharz gefertigt und anschließend angepasst, um die gewünschten Okklusionskontakte herzustellen.
Diese Methode ist bewährt, umfasst jedoch mehrere manuelle Arbeitsschritte. Auch bei der Polymerisation und Bearbeitung können Variablen auftreten, die die Maßhaltigkeit und Passgenauigkeit beeinflussen.
Ein CAD/CAM-Workflow verlagert einen Großteil dieses Prozesses in eine digitale Umgebung. Nachdem die Zahnbögen und der Biss des Patienten gescannt wurden, wird die Schiene virtuell entworfen. Parameter wie Dicke, Ausdehnung, okklusale Kontakte und Funktionsflächen können vor der Fertigung definiert werden.
Der fertige Entwurf wird dann aus einem vorgefertigten Materialrohling gefräst. Da diese Rohlinge unter kontrollierten Bedingungen industriell polymerisiert werden, vermeidet das Fräsen die bei einigen herkömmlichen Verarbeitungsmethoden auftretende Polymerisationsschrumpfung.
Studien zum Vergleich verschiedener Fertigungstechniken haben Vorteile für gefräste Schienen in Bereichen wie Maßgenauigkeit, Bruchfestigkeit und Verschleißverhalten festgestellt, wobei die Leistung je nach Material erheblich variiert.
Ein weiterer wichtiger Vorteil ist die Reproduzierbarkeit. Sobald das Design digital gespeichert wurde, kann die Schiene modifiziert oder erneut hergestellt werden, ohne dass das gesamte Design von Grund auf neu erstellt werden muss.
Die Materialauswahl hat direkten Einfluss auf Steifigkeit, Verschleißfestigkeit, Tragekomfort und Bearbeitbarkeit.
PMMA
PMMA (Polymethylmethacrylat) ist eines der etabliertesten Materialien für Okklusionsschienen. CAD/CAM-PMMA-Rohlinge werden industriell polymerisiert und bieten vorhersagbare mechanische Eigenschaften sowie eine gute Bearbeitbarkeit und Dimensionsstabilität.
Jüngste Laboruntersuchungen haben gezeigt, dass gefrästes PMMA im Vergleich zu den getesteten herkömmlichen und 3D-gedruckten Alternativen eine besonders hohe Biegefestigkeit und Verschleißfestigkeit aufweist.
PEEK
PEEK (Polyetheretherketon) ist ein hochleistungsfähiger Thermoplast mit hoher Zähigkeit und guter Biokompatibilität. Sein mechanisches Verhalten unterscheidet sich erheblich von herkömmlichen Acrylmaterialien, was es zu einer interessanten Option für ausgewählte okklusale Schienen macht.
Untersuchungen zu Materialien für Okklusionsvorrichtungen haben ein günstiges Verschleißverhalten von PEEK gezeigt, wobei bei der klinischen Materialauswahl jedoch das gesamte Design der Vorrichtung und nicht nur die Verschleißfestigkeit berücksichtigt werden sollte.
Komposite
CAD/CAM-Komposite bieten eine weitere Option für digital gefertigte Schienen. Ihre Eigenschaften variieren je nach Zusammensetzung der Polymermatrix und der Füllstoffe. Einige Materialien verbinden gute Bearbeitbarkeit mit hoher mechanischer Stabilität und können daher für Langzeitschienen geeignet sein.
Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2026 ergab, dass gefräste Materialien unter künstlicher Alterung im Allgemeinen eine hohe physikalische und mechanische Stabilität zeigten, wobei gefräste Kompositkunststoffe in den ausgewerteten Studien besonders gut abschnitten.
Material | Hauptvorteile | Zu beachtende Aspekte |
| PMMA | Bewährt, präzise, leicht zu fräsen, gute Verschleißfestigkeit | Steif; Eigenschaften variieren je nach Produkt |
| PEEK | Zäh, leicht, gute Verschleißeigenschaften | Unterschiedliche Anforderungen an die Verarbeitung und Endbearbeitung |
| Verbundwerkstoff | Hohe mechanische Stabilität, materialspezifische Flexibilität | Die Eigenschaften hängen stark von der Rezeptur ab |
Es gibt daher kein einziges Material, das automatisch für jede Schiene am besten geeignet ist. Die Indikation, das Design, die erforderliche Steifigkeit und der validierte Fertigungsablauf sollten die Auswahl bestimmen.
Die digitale Fertigung beginnt mit einer präzisen Erfassung der oberen und unteren Zahnbögen des Patienten. Ein Intraoralscanner kann beide Zahnbögen sowie die Okklusionsbeziehung erfassen, wodurch in geeigneten Fällen die Notwendigkeit einer herkömmlichen Abformung entfällt.
Die Scandaten werden anschließend in die CAD-Umgebung übertragen. Dort wird die Schiene entsprechend den therapeutischen Anforderungen konstruiert. Der Zahntechniker kann den Einführweg, die Materialstärke, die Ausdehnung und die Okklusionsflächen festlegen und dabei die Beziehung zum Gegengebiss überprüfen.
Sobald der Entwurf fertiggestellt ist, werden die Daten an die CAM-Software übertragen. Die Schiene wird innerhalb des ausgewählten Materialrohlings positioniert und die geeignete Bearbeitungsstrategie berechnet.
Die Fräsmaschine fertigt die Schiene anschließend aus PMMA, PEEK oder einem anderen zugelassenen CAD/CAM-Material. Je nach Material und System sind unterschiedliche Werkzeuge und Bearbeitungsstrategien erforderlich. Anstelle von universellen Fräsparametern sollte stets die validierte Kombination aus Material, Werkzeugen, Maschine und CAM-Strategie befolgt werden.
Nach dem Fräsen wird die Schiene vom Rohling getrennt und die Verbindungsstellen werden sorgfältig nachbearbeitet. Die Oberfläche wird gemäß den Anweisungen des Materialherstellers poliert, bevor die endgültige Passform und der Biss überprüft werden.
Der gesamte Arbeitsablauf lässt sich somit wie folgt zusammenfassen:
Scan → CAD-Konstruktion → CAM-Vorbereitung → Fräsen → Nachbearbeitung → Pass- und Okklusionskontrolle
Da das Design digital verfügbar bleibt, können Anpassungen dokumentiert werden, und die Schiene lässt sich im Falle eines notwendigen Austauschs potenziell effizienter nachfertigen.
Die digitale CAD/CAM-Technologie bietet einen effizienten und reproduzierbaren Ansatz für die Herstellung von Aufbissschienen. Anstatt sich vollständig auf manuelle Bearbeitung zu verlassen, können Labore die Geometrie, die Dicke und die Okklusionskontakte der Schiene digital steuern, bevor die endgültige Schiene aus einem industriell gefertigten Rohling gefräst wird.
PMMA bleibt ein wichtiges Material für gefräste Schienen, während PEEK und moderne Kompositmaterialien zusätzliche Optionen für spezifische Anforderungen bieten. Die geeignete Kombination hängt letztendlich von der klinischen Indikation, dem Schienendesign und dem validierten Fertigungsablauf ab.
Mit präzisen digitalen Daten, geeigneter CAD-Software und präziser Frästechnologie können Aufbissschienen zu einem weiteren Anwendungsbereich innerhalb eines integrierten digitalen zahnmedizinischen Arbeitsablaufs werden.
FAQ:
Was ist das beste Material für eine Aufbissschiene?
Es gibt kein einziges Material, das für jeden Patienten oder jede Indikation am besten geeignet ist. Gefrästes PMMA ist weit verbreitet und bietet eine Kombination aus Genauigkeit, Steifigkeit und Verschleißfestigkeit. PEEK und CAD/CAM-Verbundwerkstoffe können bei spezifischen Anforderungen Vorteile bieten. Die Materialauswahl sollte stets entsprechend der klinischen Indikation und der Konstruktion der Schiene erfolgen.
Wie lange hält eine gefräste Aufbissschiene?
Es gibt keine allgemeingültige Lebensdauer für eine gefräste Schiene. Die Haltbarkeit hängt vom Material, der Schienendicke, der Intensität des Bruxismus, den okklusalen Kräften, der Pflege sowie individuellen Patientenfaktoren ab. Aktuelle Forschungsergebnisse weisen auf günstige mechanische und Verschleißeigenschaften von gefrästen Materialien hin, dennoch bleiben regelmäßige klinische Kontrollen wichtig.
Sind CAD/CAM-Schienen präziser als herkömmliche Schienen?
Das digitale Fräsen ermöglicht eine hochgradig reproduzierbare Fertigung und eine gute Maßgenauigkeit. Die endgültige Passform hängt jedoch vom gesamten Arbeitsablauf ab, einschließlich Scannen, CAD-Konstruktion, Fräsen und Endbearbeitung. Aktuelle klinische Studien haben zudem eine hohe Passgenauigkeit für gefräste Okklusionsschienen nachgewiesen.
Kann eine Aufbissschiene digital reproduziert werden?
Ja. Einer der Vorteile eines CAD/CAM-Arbeitsablaufs besteht darin, dass das digitale Design gespeichert werden kann. Wenn eine Schiene verloren geht oder beschädigt wird, kann der vorhandene Datensatz als Grundlage für die Anfertigung eines Ersatzes dienen, wobei jedoch zunächst die aktuelle klinische Situation des Patienten überprüft werden sollte.