Ein digitaler Abdruck ist eine dreidimensionale virtuelle Darstellung der Zähne und der umgebenden Mundstrukturen eines Patienten, die mithilfe eines Intraoralscanners erstellt wird.
Anstelle einer herkömmlichen Abformung mit Abformlöffeln und Silikonmaterialien scannt der Zahnarzt die präparierten Zähne mit einem handgeführten optischen Scanner. Pro Sekunde werden Tausende von Bildern aufgenommen und automatisch zu einem präzisen digitalen Modell zusammengefügt.
Der fertige Scan wird in der Regel als STL-Datei (Standard Tessellation Language) exportiert, dem gängigsten offenen Format in der CAD/CAM-Zahnmedizin.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Abdrücken können digitale Scans sofort an das Labor übertragen werden, wodurch der physische Versand und mehrere manuelle Fertigungsschritte entfallen.
Wie funktionieren Intraoralscanner?
Moderne Intraoralscanner nutzen fortschrittliche optische Technologien wie strukturiertes Licht oder konfokale Bildgebung, um die Oberflächengeometrie der Zähne zu erfassen.
Während des Scans fügt die Software kontinuierlich Tausende von Bildern zu einem hochdetaillierten digitalen Modell zusammen, das sofort überprüft werden kann.
Sollte ein Bereich unvollständig sein, kann dieser einfach erneut gescannt werden, ohne den gesamten Vorgang zu wiederholen.
Dies verbessert die Effizienz und verringert gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit von Nacharbeiten.
Warum werden digitale Abdrücke zum Standard?
Die digitale Abformtechnologie bietet Vorteile für alle, die am restaurativen Arbeitsablauf beteiligt sind.
Für Zahnärzte
Für Labore
Für Patienten
Mit der zunehmenden Verbreitung digitaler Arbeitsabläufe hat sich das intraorale Scannen zu einem der wichtigsten Bausteine der modernen restaurativen Zahnmedizin entwickelt.
Obwohl herkömmliche Abdrücke klinisch nach wie vor zuverlässig sind, vereinfachen digitale Arbeitsabläufe nahezu jeden Schritt zwischen Patient und Restauration.
Vergleichsübersicht
Merkmal | Digitaler Abdruck | Konventioneller Abdruck |
|---|---|---|
| Genauigkeit | Sehr konsistent | Vom Anwender abhängig |
| Komfort für den Patienten | Hervorragend | Mäßig |
| Behandlungsdauer | Kurz | Länger |
| Laborablauf | Vollständig digital | Mehrere manuelle Schritte |
| Datenübertragung | Sofort | Physischer Versand |
| Speicherung | Digitales Archiv | Physische Modelle |
| CAD/CAM-Integration | Direkt | Das Modell muss gescannt werden |
Genauigkeit
Moderne Intraoralscanner liefern hochpräzise digitale Modelle, die sich für Einzelkronen, Brücken, Implantatversorgungen und viele Vollbogenanwendungen eignen.
Ein wichtiger Vorteil ist die sofortige Überprüfung. Fehlende Bereiche werden bereits während des Scans erkannt und korrigiert, während der Patient noch auf dem Behandlungsstuhl sitzt.
Bei herkömmlichen Abdrücken werden Fehler wie Luftblasen oder Materialverformungen oft erst nach dem Gießen des Modells entdeckt, was einen weiteren Termin für den Patienten erforderlich macht.
Patientenkomfort
Herkömmliche Abformungen können unangenehm sein, insbesondere für Patienten mit einem empfindlichen Würgereflex.
Digitale Abformungen vermeiden:
Das Scannen ist in der Regel schneller und deutlich angenehmer.
Effizienz im Labor
Digitale Abdrücke vereinfachen die Arbeitsabläufe im Labor erheblich.
Anstelle eines physischen Abdrucks erhalten die Zahntechniker eine STL-Datei, die direkt in die CAD-Software importiert werden kann.
Dadurch entfallen mehrere herkömmliche Arbeitsschritte:
Das Ergebnis ist ein schnellerer und effizienterer Produktionsprozess.
Digitale Abdrücke stellen den ersten Schritt in einer vollständig digitalen Produktionskette dar.
Sie fungieren nicht als isolierte Technologie, sondern verbinden die klinische Behandlung nahtlos mit der Laborfertigung.
Ein typischer digitaler Arbeitsablauf besteht aus fünf Schritten:
Da jeder Schritt direkt auf dem vorherigen aufbaut, entfallen unnötige Konvertierungen und manuelle Arbeitsschritte.
Schritt 1: Digitaler Scan
Nach der Zahnpräparation scannt der Zahnarzt:
Innerhalb weniger Minuten liegt der gesamte Fall digital vor.
Schritt 2: Übertragung der STL-Datei
Der fertige Scan wird als offene STL-Datei exportiert.
Offene Dateiformate bieten wichtige Vorteile:
Die STL-Datei wird anschließend sicher an das Dentallabor übertragen.
Schritt 3: CAD-Konstruktion mit icam
Das Labor importiert die STL-Datei in die icam-CAD-Software.
Die Restauration wird digital mithilfe von Werkzeugen wie den folgenden entworfen:
Da die Scandaten bereits digital vorliegen, ist kein zusätzliches Scannen des Modells erforderlich.
Schritt 4: Fertigung mit coritec
Nachdem die Restauration entworfen wurde, generiert die CAM-Software die Frässtrategie.
Die Produktionsdatei wird an eine coritec-Fräsmaschine übertragen, wo die Restauration aus dem ausgewählten Material gefertigt wird.
Zu den typischen Materialien gehören:
Nach Abschluss des Fräsvorgangs durchläuft die Restauration die entsprechende Endbearbeitungsphase, wie beispielsweise Sintern, Kristallisieren oder Polieren.
Einer der größten Vorteile der digitalen Zahnmedizin ist die Möglichkeit, hochwertige Restaurationen innerhalb eines einzigen Patientenbesuchs herzustellen. Durch die Kombination aus Intraoralscanner, CAD-Software und integriertem Frässystem können Zahnärzte ausgewählte Restaurationen fertigstellen, ohne auf den herkömmlichen Laborablauf zurückgreifen zu müssen.
Dieses Konzept – allgemein als Chairside-Zahnmedizin bezeichnet – verkürzt die Behandlungszeit und gewährleistet gleichzeitig die Präzision und Qualität, die von modernen CAD/CAM-Restaurationen erwartet werden.
Eine kompakte Lösung wie das coritec ONE vereint Scannen, Design und Fertigung in einem effizienten digitalen Arbeitsablauf und macht die Behandlung am selben Tag für viele Praxen möglich.
Ein typischer Chairside-Arbeitsablauf
Das folgende Beispiel veranschaulicht, wie eine einzelne Krone in etwa 90 Minuten am Behandlungsstuhl hergestellt werden kann.
Schritt 1: Digitale Abformung
Der Zahnarzt scannt den präparierten Zahn, das Gegengebiss und die Bissregistrierung mit einem Intraoralscanner.
Der digitale Abdruck wird sofort überprüft und als offene STL-Datei exportiert.
Dauer: 5–10 Minuten
Schritt 2: CAD-Konstruktion
Die STL-Datei wird in die icam-CAD-Software importiert, wo die Restauration entworfen wird.
Moderne CAD-Tools unterstützen den Arbeitsablauf mit Funktionen wie:
Nach einer abschließenden Überprüfung wird die Restauration zur Fertigung freigegeben.
Dauer: 10–15 Minuten
Schritt 3: Fräsen
Die Restauration wird direkt an das coritec ONE-Frässystem übertragen.
Je nach gewähltem Material fräst die Maschine die Restauration automatisch mit hoher Präzision.
Zu den gängigen Chairside-Materialien gehören:
Dauer: 10–25 Minuten
Schritt 4: Endbearbeitung
Nach dem Fräsen wird die Restauration der erforderlichen Nachbearbeitung unterzogen.
Je nach Material kann dies Folgendes umfassen:
Anschließend wird die Restauration anprobiert, bei Bedarf angepasst und adhäsiv oder konventionell zementiert.
Dauer: 20–40 Minuten
Warum Chairside-Workflows immer beliebter werden
Chairside-CAD/CAM-Systeme bieten sowohl für Zahnärzte als auch für Patienten Vorteile.
Vorteile für Zahnarztpraxen
Vorteile für Patienten
Für Praxen, die sich auf Einzelzahnrestaurationen konzentrieren, ist die Chairside-Fertigung zu einer attraktiven Ergänzung herkömmlicher Laborabläufe geworden.
Moderne CAD/CAM-Workflows basieren auf einer nahtlosen Kommunikation zwischen Scannern, Software und Fertigungssystemen.
Einer der größten Vorteile des imes-icore-Ökosystems ist die Unterstützung offener STL-Workflows. Anstatt einen proprietären Scanner zu erfordern, sind die imes-icore-Frässysteme so konzipiert, dass sie sich mit vielen führenden Intraoralscannern integrieren lassen, die offene STL-Dateien exportieren.
Dies bietet Labors und Zahnarztpraxen mehr Flexibilität bei der Auswahl digitaler Abdrucksysteme.
Warum offene STL-Kompatibilität wichtig ist
Offene Dateiformate bieten mehrere Vorteile:
Für Dentallabore, die Aufträge von mehreren Praxen erhalten, vereinfacht die offene STL-Unterstützung die tägliche Produktion und minimiert Kompatibilitätsprobleme.
Kompatible Intraoralscanner
Die folgenden Scanner werden üblicherweise in offene STL-Workflows mit imes-icore CAD/CAM-Systemen integriert.
Intraoralscanner | Offener STL-Export | Typische Anwendungsbereiche |
|---|---|---|
| Medit i-Serie | ✔ | Kronen, Brücken, Implantatversorgungen |
| 3Shape TRIOS | ✔ | Restaurative Zahnmedizin und Implantologie |
| SHINING 3D Aoralscan | ✔ | Allgemeine restaurative Arbeitsabläufe |
| Alliedstar | ✔ | Digitale restaurative Zahnmedizin |
| Panda Scanner | ✔ | Arbeitsabläufe für Kronen und Brücken |
| Runyes 3DS | ✔ | Anwendungen in der restaurativen Zahnmedizin |
| DEXIS IS-Serie | ✔ | Workflows für Restaurationen und Implantate |
| CEREC Primescan* | STL-Export je nach Softwarekonfiguration möglich | Behandlungsstuhl- und Labor-Workflows |
*Bitte klären Sie die STL-Exportfunktion mit dem Scannerhersteller ab, da die Verfügbarkeit je nach Softwareversion und Lizenzierung variieren kann.
Da der Arbeitsablauf auf offenen Dateiformaten basiert, können Labore Fälle von verschiedenen Scannermarken effizient bearbeiten, ohne ihren Produktionsprozess ändern zu müssen.
Digitale Labore arbeiten zunehmend mit Praxen zusammen, die unterschiedliche Scannersysteme verwenden.
Ein offener Arbeitsablauf ermöglicht es, dass alle eingehenden Fälle denselben Produktionsprozess durchlaufen:
Digitaler Scan → STL-Datei → icam CAD → CAM-Software → coritec-Fräsen → Fertige Restauration
Standardisierte Arbeitsabläufe verbessern:
Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung von Laboren ist Offenheit mittlerweile genauso wichtig geworden wie die Maschinenleistung.
Fazit
Digitale Abdrücke sind zur Grundlage der modernen restaurativen Zahnmedizin geworden. Im Vergleich zu herkömmlichen Abformtechniken vereinfachen sie die Kommunikation, verbessern den Patientenkomfort und lassen sich direkt in digitale Fertigungsabläufe integrieren.
Durch die Kombination von intraoralem Scannen mit offenen STL-Dateien, der icam-CAD-Software und den coritec-Frässystemen können Dentallabore und Praxen einen effizienten durchgängigen CAD/CAM-Workflow etablieren – von der Datenerfassung bis zur fertigen Restauration.
Ob im Labor oder als Teil eines Chairside-Workflows mit dem coritec ONE – digitale Abdrücke tragen dazu bei, Durchlaufzeiten zu verkürzen, die Fertigungskonsistenz zu verbessern und einen flexibleren Ansatz in der digitalen Zahnmedizin zu ermöglichen.
FAQ
Sind digitale Abdrücke genauer als herkömmliche Abdrücke?
Moderne Intraoralscanner liefern hochpräzise digitale Modelle, die für die meisten restaurativen Indikationen geeignet sind. Außerdem ermöglichen sie es dem Behandler, die Scanqualität sofort zu überprüfen, wodurch das Risiko von Nacharbeiten aufgrund unvollständiger oder verzerrter Abdrücke verringert wird.
Welche Intraoralscanner sind mit den imes-icore-Frässystemen kompatibel?
imes-icore unterstützt offene STL-Workflows und ist mit vielen führenden Intraoralscannern kompatibel, darunter Medit, 3Shape TRIOS, SHINING 3D, Alliedstar, Panda Scanner, Runyes sowie ausgewählte DEXIS- und Primescan-Workflows, die einen STL-Export ermöglichen.
Können digitale Abdrücke für Implantatversorgungen verwendet werden?
Ja. Digitale Abdrücke werden häufig für implantatgetragene Versorgungen verwendet, sofern geeignete Scan-Körper und validierte digitale Arbeitsabläufe zum Einsatz kommen.
Ersetzen digitale Abdrücke herkömmliche Abdrücke vollständig?
Nicht in jeder klinischen Situation. Während digitale Abdrücke bei vielen restaurativen Behandlungen mittlerweile die bevorzugte Wahl sind, können herkömmliche Abdrücke bei bestimmten komplexen klinischen Fällen oder dort, wo ein digitales Scannen nicht möglich ist, weiterhin angezeigt sein.